4. Workshop (29.02.96/01.03.96, IWI, St. Gallen (CH))

Thema:Teamorientierung im Management

Ergebniszusammenfassung des Workshops 4.3

Integration von MSS und Standardsoftware

Autor:

Prof. Dr. Bodo Rieger, Universität Osnabrück, FB9-IMU-BWL/WI-II, Katharinenstr. 3, D-49069 Osnabrück, Tel. ++49-541-969-4825, Fax: ++49-541-969-1227, EMail: brieger@oec.uni-osnabrueck.de

Ziel:

Ziel des Workshops war es, vor dem Hintergrund aufkommender MSS-Komponenten-Ansätze in Standardsoftware, speziell EIS-add-ins in SAP und Baan/Triton, grundsätzlich Formen und Aspekte einer Integration von MSS und Standardsoftware im Hinblick auf F&E-Aktivitäten zu sammeln und zu strukturieren. Als Nebeneffekt sollte eine vertiefende Folgeveranstaltung im Hause eines Standardsoftware-Anbieters vorbereitet werden.

Grundsätzlich ergeben sich zwei Blickwinkel bzw. Heransgehensweisen:

a) von Standardsoftware (Server) zu MSS (Client):

Hier steht der komfortable Datenzugriff von MSS auf Standardsoftware im Mittelpunkt. Relevante Aspekte unter den als unterstützungsbedürftig befundenen Qualitätskriterien der Konsistenz sowie des Gehalts, der Relevanz und der Aktualität von MSS-Informationen sind dabei:

 

  • standardisierte Exportschnittstellen in Standardsoftware, die mehr als ASCII-Files produzieren sollten, z.B. gängige relationale Datenbankformate, für die spezialisierte MSS-Software bereits Import-Treiber besitzen
  • oder besser, standardisierte Schnittstellen, über die, z. B. im SQL-Standard, Extrakt-Spezifikationen aus der MSS-Software bedient werden können, sowohl statisch-manuell/zeitgesteuert als auch dynamisch (Hot-Links)
  • für die Inhalte der Extraktion sind Exception-Reporting- und Data-Mining-Funktionalitäten in MSS relevant, deren methodische Basis erweiterungsbedürftig erscheint, speziell in Bezug auf die Beschreibung komplexer Filter; denkbar ist hier eine Data-Mining-basierte MSS-Komponente, die den Datenbestand der Standardsoftware nach allgemeinen und speziellen, Benutzer-definierten Tatbeständen durchsucht, und die als Ergebnis im Sinne eines "Extrakt-Generators" Extrakt-Spezifikationen für die Standardschnittstelle generiert; denkbar ist insbesondere aber auch eine sich aus den Analyse-Methoden/Rechnungen von MSS/DSS-Modellen abgeleitete Extrakt-Generierung, was dem - angesichts einer Überschwemmung des Markts mit primär oberflächen-zentrierten PC-Tools - beklagenswerten Qualitätsverlust im MSS-Bereich eingesetzter Methoden entgegenwirken könnte.
  • neben dem (bisher ausschließlich) betrachteten Datentransfer erscheint im Hinblick auf die MSS-Modellierung eine inhaltliche Ausweitung auf Metadaten in der Standardsoftware notwendig und sinnvoll; dort zunehmend definierte Fakten und Zusammenhänge (Definitionen, Dimensionen, Hierarchien, Workflow) könnten direkt für die (datengetriebene) Modellierung, sowohl in DSS als auch EIS, angezapft werden und potentielle Fehlerquellen der bis heute gängigen, erneuten Modellbildung in MSS reduzieren helfen: somit erweitert sich die o. g. (Daten-)Schnittstellen-Problematik auf die in Standardsoftware enthaltenen oder von ihr benutzten Data-Dictionaries/Repositories bzw. Customizing/Modeling-Werkzeuge; hier zeichnet sich Kooperationsbedarf zu anderen GI-FGen ab.
  • zur Frage, wo und wie denn nun die selektierten, relevanten Meta/Daten der Standardsoftware zu halten sind, ergeben sich Berührungspunkte zu den Themen Data-Warehouse und OLAP-Server, die angesichts der weit über das Standardsoftware-Material hinausgehenden Anforderungen von MSS (andere interne, externe, un/formatierte Daten, Audio/Video, etc.) noch intensiv beleuchtet und "gestaltet" werden müssen, um als universeller "MSS-Datenserver" fungieren zu können.

b) von MSS (Server) zu Standardsoftware (Client):

Hier steht die methodisch-qualitative Aufwertung von Standardsoftware-Funktionen im Mittelpunkt. Eine diesbezügliche, systematische Analyse von Entscheidungs(-Unterstützungs)-Funktionen in Standardsoftware-Komponenten könnte den vermutbaren DSS-gap explizit machen: vieles scheint suboptimal, heuristisch, nach dem Motto des "muddling-through", wenig modellbasiert und noch weniger DSS-Methoden-basiert (Optimierung, Simulation, Sensitivitätsanalysen) realisiert zu sein. Relevante Ansatzpunkte für eine MSS-Dienstleistung sind dabei:

 

  • eine Art "outsourcing" von Informations- und Entscheidungs-Prozeduren in Standardsoftware-Komponenten (anstelle einer zumeist primitiven Reimplementierung), z. B. bei der Lieferantenauswahl, der Produktionsprogrammplanung etc.
  • eine Unterstützung der Gestaltung der in der Standardsoftware zu implementierenden Geschäftsprozesse(Work/Groupflow) im Sinne eines DSS-driven process reengineering; die Standardsoftware und ihr Unternehmensmodell werden selbst zum Analyseobjekt; MSS will hier natürlich nicht den Job "neu" erfinden, sondern lediglich für eine Integration des methodischen "Erfahrungsschatzes" plädieren.

Diese (und weitere) Aspekte sollen/könnten im nächsten Workshop zusammen mit einem namhaften Standardsoftware-Anbieter expliziert, diskutiert und validiert werden. Herr Kollege Uhr hat hierfür zwischenzeitlich mit Herrn Dr. Sinzig (SAP) den 10./11.10.96 im Hause SAP, Walldorf, vereinbaren können.

Das Programm könnte wiefolgt aussehen (Kritik/Vorschläge erbeten):

1. Tag:

 

  • Begrüßung (SAP, GI-AK)
  • Themen-Einführung (Zusammenfassung dieses papers, Rieger/Uhr)
  • SAP-R/3-Customizing (SAP)
  • SAP-R/3 und Data-Warehouse (SAP)
  • SAP-R/3 und EIS (SAP)
  • MSS-Anforderungen/Angebote (GI-AK)
  • SAP-R/3 und MSS (Praxis-Anwender)
  • Abendveranstaltung (gemeinsames Essen)

2. Tag:

 

  • Arbeitsworkshops (Customizing, DW/EIS, DSS)
  • Ergebnispräsentationen